Heute möchte ich mal über ein Thema schreiben, dass mir schon länger unter den Nägeln brennt. Wir leben in einer digitalen Welt und immer mehr befinden sich wichtige Dokumente und Erinnerungen wie Bilder und Videos nur noch auf unseren Computern und Smartphones.
Auch meine Hochzeitsbilder liefere ich digital an die Brautpaare ab und das Thema Datensicherung wird immer mal wieder bei den Kennenlerntreffen angesprochen.

Gerne möchte ich das Thema mal fundierter hier auf dem Blog behandeln. Ich werde darauf eingehen, wieso ich jedermann eine funktionierende Backup-Lösung ans Herz lege, welche Knackpunkte es zu beachten gibt und wie denn mein persönlicher Umgang mit den Backups aussieht. Auch wenn ich dies aus den Blickwinkel eines Fotografen beschreibe, so gelten die vorgestellten Überlegungen und Grundsätze auch für andere Anwendungszwecke.

Wieso ist ein Backup so wichtig?

Ich habe es einleitend schon angesprochen: Wir leben im Smartphone-Zeitalter. Nie zuvor war es so einfach, jederzeit Erinnerungsstücke in Form von Fotos und Videos anzufertigen. Unsere Telefone, Kameras, Tablet und Computer quellen über davon und manch einer verdrängt die Frage nach einem sicheren Umgang mit diesen für uns wertvollen Daten. Jeder ambitionierte Hobbyfotograf wird feststellen, das die heutigen Megapixel-Boliden von Kameras ziemlich rasch den vorhandenen Speicherplatz zusammenschrumpfen lassen.
Was machst du, wenn dein Laptop morgen schwarz bleibt und sich nicht mehr starten lässt? Wenn nach einem Gewitter mit heftigen Blitzen dein Computer keinen Wank mehr macht? Wenn dich Gedanken an solche Ereignisse beunruhigen, dann solltest du dir Zeit nehmen und über deinen Umgang mit diesen Daten und deren Sicherung nachdenken. ;-)

Welche Gefahren gibt es denn für meine Daten?

Es gibt diverse Dinge, die unseren digital gespeicherten Daten widerfahren können. Und auch wenn wir in bester Hollywood-Manier vielleicht zuerst an Hackerangriffe, Viren und Trojaner denken, so gibt es aus meiner Sicht noch einige Dinge die wahrscheinlicher eintreffen können.

  • Menschliches Versagen
    Leider wahr, sehr oft liegt die Wurzel des Problems nicht im sondern bei der Person vor dem Computer. Schnell ist es passiert und aus Versehen sind wichtige Dateien gelöscht oder überschrieben worden. Ein disziplinierter Umgang an heiklen Arbeitsschritten, z.B. beim Importieren, sowie eine ordentliche und übersichtliche Fileablage auf dem Rechner können hier das Risiko verringern. 
  • Geräte-Fehler
    Jedes digitale Speichergerät kann und wird auch einmal ausfallen. Man tut gut daran, sich dessen immer bewusst zu sein. Ein Backup das auf dem gleichen Speichermedium wie das Original liegt ist den Platz nicht wert den es belegt...
  • Blitzschlag
    Es ist gar nicht so selten wie man denkt, das Blitzschläge empfindliche Schäden an der Heimelektronik und Datenspeichern verursachen. Eine (teurere) Stromsteckerleiste mit eingebauten Überspannungsschutz kann hier empfindliche Geräte wirksam schützen.
  • Diebstahl, Feuer, Wasser
    Was nützt ein Backup, wenn ein Dieb neben dem Computer auch die Backup-Disks mitnimmt, die bei mir im Haus stehen? Ein Feuer oder Wasserschaden im Haus könnte zum gleichen traurigen Resultat führen.

Wenn man sich Gedanken über eine eigene Backup-Strategie macht, sollte man gut abwägen gegen welche Gefahren man sich wappnen möchte. Je nach Eintretenswahrscheinlichkeit gilt es zu prüfen, ob man sich wirklich gegen jede erdenkliche Situation absichern kann und möchte, da dies die Kosten und den Aufwand für die Datensicherung stark erhöhen kann. So stehen für mich die oben genannten Gefahren im Vordergrund, obwohl ich mir bewusst bin das es noch weitere gibt.

Eine gute Backup-Strategie - Die 3-2-1 Regel

Ein einfacher Weg sich an eine effektive Backup-Strategie zu erinnern bietet die 3-2-1 Regel:

  • Es wird empfohlen, 3 Kopien von allen wichtigen Daten zu haben (Original und 2 Backups)
  • Es wird empfohlen, die Kopien auf 2 unterschiedlichen Speichermedien (z.B. Hard-Disk und DVD) zu haben, um sich damit gegen unterschiedliche Gefahren abzusichern. 
    Oft ist diese Regel aber nur schwer umsetzbar, besonders bei grossen Datenmengen.
  • 1 Kopie der Daten sollte örtlich getrennt von den anderen aufbewahrt werden.

Wie ich meine Bilder sichere...

Nun möchte ich euch vorstellen, wie meine persönliche Backup-Strategie aussieht und welche Überlegungen ich dabei gemacht habe.
Alle nachfolgend aufgeführten Geräte hängen an einer Stromleiste mit Überspannungsschutz, wie schon weiter oben erwähnt.

Mein Backup vom Import bis zur 2. Sicherung ausser Haus.

Aufnahme & Import

Ich versuche wenn immer möglich, bereits bei der Aufnahme eine Kopie der Bilder anzufertigen. Ermöglicht wird dies mit Kameras, die einen zweiten Speicherkarten-Slot besitzen: Jedes aufgenommene Bild wird so automatisch auf beiden Speicherkarten gespeichert.
Sobald ich von einem Shooting nach Hause komme werden die Fotos auf den Computer geladen, meist noch am gleichen Abend.

Randbemerkung: Ich formatiere meine Speicherkarten erst dann wieder, wenn ich mindestens wieder 3 Kopien (Rechner, NAS, Online) habe. Niemals formatiere ich die Speicherkarte gleich nach dem Import!

Rechner

Ich habe einen Mac Pro mit 1TB internem Flashspeicher im Einsatz. Dort befinden sich sowohl die Katalog- und Vorschau-Dateien von Lightroom wie auch die Bilder die ich aktuell am Bearbeiten bin. 
Mit Thunderbolt angeschlossen ist eine externe WD My Book mit zwei 3TB Festplatten darin. Dorthin verschiebe ich meine Bilder, nachdem sie fertig bearbeitet wurden. 

Time Machine Backup auf Synology NAS

Als Backup-Software setze ich Time Machine von Apple ein. Time Machine erstellt automatisch ein inkrementelles Backup, d.h. nach einem ersten vollständigen Backup werden bei den folgenden Durchläufen nur noch geänderte Dateien gespeichert. Die geänderten Daten werden stündlich für die letzten 24 Stunden gespeichert, danach dünnt Time Machine die Versionen automatisch aus: Ein tägliches Backup für den letzten Monat und darüber hinaus ein wöchentliches Backup für alles was weiter in der Vergangenheit liegt. Das ermöglicht mir Zugriff auf verschiedene Versionen der gespeicherten Dateien.
Das Backup umschliesst sowohl die Daten vom Mac Pro wie auch die auf der WD My Book.

Spezialfall Lightroom-Katalog und Vorschauen
Der Lightroom-Katalog ist eine Datenbank-Datei und kann mit wachsender Anzahl an verwalteten Bildern rasch mehrere GB gross werden. Aus Speicherplatz-Sicht macht hier ein inkrementelles Backup mit Time Machine nicht wirklich Sinn: Jede noch so kleine Änderung in Lightroom führt zu einem nötigen Backup von mehreren GB.
Meine Lösung: Der Lightroom Katalog ist vom Backup ausgeschlossen. Stattdessen wird regelmässig die Lightroom-eigene Backup-Funktion für den Katalog verwendet. Diese erstellt gezippte Katalog-Backups auf der WD My Book, welche dann wieder von Time Machine gesichert werden.
Die Vorschauen von Lightroom belegen rasch viele GB an Platz, können aber jederzeit wieder aus den Originaldateien generiert werden. Aus diesem Grund schliesse ich auch diese Dateien vom Time Machine Backup aus.

Synology NAS DS412+
Der von mir eingesetzte Netzwerkspeicher (NAS, Network Attached Storage) besitzt 4 eingebaute Festplatten a 3TB. Die gewählte Konfiguration im OS von Synology erlaubt den Ausfall einer Festplatte, ohne dass dabei Daten verloren gehen.

2. Backup mit Crash Plan

Lange war ich auf der Suche nach einem bezahlbaren Angebot für ein Online Backup, bis ich dann schlussendlich Crash Plan fand. Mit Crash Plan unterhalte ich eine zweite Sicherungskopie meiner Daten ausser Haus, und das automatisiert ohne das ich mich gross darum kümmern muss.

Crash Plan bietet aus meiner Sicht folgende Vorteile:

  • Günstig - Unbegrenzter Online Speicher für 5$/Mt.
  • Auch lokal gelöschte Daten bleiben bei Crash Plan gespeichert und können Notfalls wiederhergestellt werden.
  • Crash Plan erlaubt eine 448-bit Verschlüsselung, die lokal eingerichtet werden kann und die Daten bereits vor dem Hochladen verschlüsselt.

Ein Online-Backup bringt aber auch eine Reihe von Nachteilen, die ich nicht unerwähnt lassen möchte:

  • Initial-Backup dauert ewig
    Bis mal sämtliche Daten online waren lief mein Rechner gut 1-2 Monate nonstop...
    Auch neue Daten brauchen eine gewisse Zeit, bis sie hochgeladen sind.
  • Schnelle Internetverbindung ist eine Voraussetzung
  • Wiederherstellen geht ebenfalls lange
    Für mich ist das Online Backup die letzte Instanz, falls Rechner und NAS versagt haben. Ich nehme in Kauf, dass ich in einem solchen Ausnahmezustand eine längere Zeit einplanen muss, um mein Backup wieder herunter zu laden.

Abschliessende Gedanken

Ich möchte alle die sich bisher nicht mit einer Datensicherung auseinandergesetzt haben ermutigen dies zu tun. Es steht zu viel auf dem Spiel um es auf die harte Tour lernen zu müssen. Und auch wenn du bereits deine Daten sicherst lohnt es sich von Zeit zu Zeit, die einzelnen Stationen kritisch anzuschauen und mit "Was wäre wenn..."-Fragen zu überprüfen.

  • Was wäre wenn meine Speicherkarte eine Fehlfunktion hat und die Fotos vom Shooting nicht korrekt speichert?
    ...dann hätte ich die zweite Karte aus der Kamera.
  • Was wäre wenn mein Lightroom Katalog plötzlich korrupt wird?
    ...dann hätte ich ein regelmässiges Backup davon, welches wiederum 2x gesichert wurde.
  • Was wäre wenn eine Festplatte in meinem NAS aussteigt?
    ...dann hätte ich keine Daten meines Backups verloren, muss die fehlerhafte Platte aber so schnell wie möglich ersetzen.
  • usw.

Ich würde jedem ein automatisiertes Backup empfehlen. Es gibt dafür verschiedene Lösungen auf dem Markt, Time Machine ist nur eine Möglichkeit von vielen. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass manuelle Backups stark dazu neigen, vergessen zu gehen und dass sie nur unregelmässig erstellt werden.

Nicht jedermann braucht eine Datensicherung die mit allen Wassern gewaschen ist. Doch zumindest den Grundsatz mit den 3 Kopien der 3-2-1 Regel würde ich jedem herzlich empfehlen.