Wenn man mir das was ich nun hier schreibe, vor einem halben Jahr gesagt hätte, ich hätte wahrscheinlich nur ungläubig gelächelt und mir meinen Teil dazu gedacht...
Doch nachdem sich in den letzten Wochen meine Überlegungen immer mehr konkretisiert hatten, habe ich nun Nägel mit Köpfen gemacht: Meine Nikon D4, mein Arbeitspferd auf jeder Hochzeit, wurde verkauft und gegen eine "kleine" Nikon D750 eingetauscht.

Den ganzen Prozess in Gang gebracht haben verschiedene Erfahrungsberichte im Netz, die voll des Lobes waren für die neue Vollformatkamera von Nikon. Darunter waren auch einige von Fotografen und insbesonders Hochzeitsfotografen, deren Blogs ich schon seit längerer Zeit verfolge, so zum Beispiel hier bei Cliff Mautner und hier bei Neunzehn72.
Was ist das wohl für eine Kamera, wenn gestandene Profis sie auf Augenhöhe mit der D810 und D4s vergleichen? Mein Interesse war nun auf jedem Fall geweckt...

Wie gesagt - nun steht sie hier bei mir auf dem Tisch. Dieser Bericht soll kein fundierter Erfahrungsbericht sein, dafür hab ich die Kamera ja auch erst viel zu kurz. Aber meine ersten Eindrücke nach dem Auspacken und den ersten hundert Fotos möchte ich euch mitgeben.

Form

Von der Grösse und Form der D750 bin ich begeistert! Der erste Eindruck hat mich erschreckt - da hatte ich das Paket der Post geöffnet und den Produktkarton der Kamera gesehen. "Uff, so klein!" habe ich gedacht - Im Vergleich zur Verpackung meiner anderen Kameras kam die D750 minimalistisch daher. Der Eindruck änderte sich aber sogleich mit dem Auspacken und in die Hand nehmen. Wie angegossen passt der Kameragriff in meine Handfläche. Während ich bei der D800 bei längerem Gebrauch meine Fingerkuppen gestaucht empfinde, hat die D750 einen tieferen Griff erhalten. Beim Nachmittagsspaziergang hatte ich sie die ganze Zeit in der rechten Hand und es kam nie das Bedürfnis auf, sie abzulegen.

Gewicht

Das Gewicht war für mich einer der ausschlaggebenden Punkte, wieso ich die D4 verkauft hatte. Ich musste feststellen dass ich ausserhalb von meinen Hochzeiten praktisch immer zur D800 griff, da die D4 mit 1.34kg halt einfach ein schwerer Brocken ist. Die D750 ist ein halbes Kilo leichter, dass ist Gold wert (!) - Insbesondere wenn man wie ich an Hochzeiten zumeist mit zwei Kameras herumrennt.

Klapp-Display

Die Nachricht vom Klapp-Display hat bei mir zuerst eher Fragen aufgeworfen. Ist so etwas wirklich stabil genug für eine Profikamera? Wie lange wird dies wohl halten? Diese Frage wird wohl erst die kommende Zeit beantworten können. Doch bis dahin: Ich will das Display nach nur wenigen Tagen nicht mehr missen! Es kommt bei mir noch oft vor, dass ich entweder mit der Kamera am Boden herumkrieche oder versuche, eine Perspektive von oben einzufangen indem ich die Kamera über den Kopf halte. Für beide Anwendungen ist das neue Display ein Segen und die Verarbeitung sieht wirklich top aus.

Sonstige Goodies

  • Autofokus / High ISO Performance
    Ich habe mir damals die D4 nicht wegen dem monstermässigen 11 Bilder/s Serienfeuer angeschafft, sondern weil ich einen verlässlichen Autofokus und gute Bildqualität bei hohen ISO-Zahlen brauchte. Beides bietet mir die D750 auch.
  • 2 Speicherkarten-Slots
    Alles andere wäre für mich ein no-go gewesen, da ich immer eine redundante Sicherung meiner Fotos möchte, schon in der Kamera. Das dies nun 2 SD-Cards sind, ist für mich kein Nachteil.
  • Gleicher Akku wie meine D800
    Das gibt es heutzutage ja fast nicht mehr - Bravo Nikon! Beide Kameras verwenden die gleichen Akkus und das gleiche Ladegerät. Dies macht das Leben etwas einfacher...
  • WIFI
    Muss ich noch näher ausprobieren, tönt aber ganz interessant. Die Nikon-App ist zwar leider sehr spartanisch, aber gibt ja Alternativen...
  • User Settings U1 + U2
    Finde ich super hilfreich und ich habe nie verstanden, wieso dies nicht alle Profikameras haben! Praxisbeispiel: Nach einer Trauung in einer eher dunkleren Kirche läuft das Brautpaar hinaus zu den spalierstehenden Gästen. Vor dem Paar herlaufen, fotografieren, dann Settings für Blende, Zeit, ISO ändern kann ziemlich Stress auslösen - Neu ist dies einfach ein Umschalten von U1 auf U2...

Schwächen der D750 / Meine Bedenken

  • 1/4000s als kürzeste Verschlusszeit
    Oha - die kann nicht bis 1/8000s wie meine übrigen Kameras! Nach dem ersten Schlucken hat sich herausgestellt, dass dies gar kein Problem (für mich) ist.
    1. Die Kamera hat eine Standardempfindlichkeit von ISO 100, wo frühere Nikon Kameras ISO 200 als Norm hatten.
    2. Kann man mit Lightroom ja sehr gut sein Fotoarchiv nach Metadaten auswerten... Wollt ihr mal raten, wie viele meiner tausenden von Fotos mit 1/8000s aufgenommen wurde? :-) 
      Praktisch gleich null - Und wenn dann war meistens das Problem hinter der Kamera zu suchen und ich fotografierte z.B. bei Sonnenschein mit ISO 1600 durch die Gegend...
  • Button-Layout / Fehlender AF-ON Button
    Ich habe mich hier stark daran gewöhnt, dass ich Scharfstellen und Auslösen auf separate Tasten lege, da mir dies eine Reihe von Vorteilen bringt. Leider fehlt der D750 dieser AF-ON Knopf :-(
    Dies ist aber nicht weiter schlimm, da in den Einstellungen der AE-L/AF-L Button einfach zum AF-ON umfunktioniert werden kann. Auch von der Anordnung auf der Kamera ist er sehr gut mit dem Daumen zu erreichen, wodurch ich hier keinen Nachteil zur D4 sehe.
  • Eckige Augenmuschel
    Dies ist sicher einfach nur eine persönliche Präferenz, aber die runde Augenmuschel der D4/D800 ist mir schon lieber als die eckige Variante der kleineren Nikons, welche (zumindest bei mir) immer den Hang zum abfallen haben. 

 

Wie einleitend gesagt habe ich die D750 erst seit ein paar Tagen aber wie ihr hier hoffentlich rauslesen könnt bin ich mehr als zufrieden mit meinem "Tausch". Zumal dabei noch einiges Geld übrig blieb für neue Objektive, aber das ist dann eine andere Geschichte...